Ev. Kirchengemeinde Rengsdorf
Ev. Kirchengemeinde Rengsdorf

 

Die Sprache unserer Glocken

 

Gegossene Glocken mit Klöppel kennt man seit mehr als 3000 Jahren.

Ihrem Klang schrieb man eine reinigende Wirkung zu.

Man glaubte auch, daß man mit Glocken böse Geister vertreiben kann.

Selbst nach der Ausbreitung des Christentums blieb dieser Aberglaube lange erhalten.

Eine bekannte lateinische Glockeninschrift lautet:

„vivos voco, mortuos plango, fulgura frango“,

d.h. „Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich,

die Blitze zerbreche ich“.

 

Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus fanden Glocken Eingang in den christlichen Gottesdienst. Im frühen Mittelalter waren es irische Wandermönche, die für die Verbreitung von Glocken in deutschen Landen sorgten.

Große Glocken gibt es seit Mitte des 13. Jahrhunderts.

Vor Erfindung des Schießpulvers war übrigens der gleichzeitige Gebrauch von Glocken und Orgel das lauteste Geräusch, das Menschen außer dem Gewitterdonner kannten.

 

Was sagt uns nun heute das Geläut unserer Glocken?

„Die Glocken der Kirchengemeinde verkünden die Ehre Gottes.        

Sie künden Zeit und Stunde und erinnern uns daran,

daß unsere Zeit in Gottes Händen steht.

Sie sind Zuspruch des Evangeliums

und behaupten den Herrschaftsanspruch Jesu Christi

auf unser ganzes Leben und den Alltag der Welt....

Kirchenglocken sind vorrangig gottesdienstliche Instrumente. Die Glocken der Kirchengemeinde stehen im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Sie rufen zum Gottesdienst, mahnen zum Gebet...“, heißt es im „Merkblatt über den Gebrauch von Kirchenglocken“ vom 4. Mai 1995 der Evangelischen Kirche im Rheinland.

 

So lautet auch die Inschrift der Rengsdorfer Glocke von 1665:

Wollt Gott daß, der mich hat gehört, bald käm zu hören Gottes Wort.

So gäb ihm Gott die Seligkeit, die Seligkeit, die Jesus Christus hat bereit. Anno MDCLXV Jost Runckel“.

 

Es ist Sache des Presbyteriums, eine Läuteordnung zu erstellen.

 

1. Das tägliche Läuten:

    Hier folgt die Ev. Kirchengemeinde Rengsdorf mit ihrer

    Läuteordnung den alten

    dörflichen Lebensabläufen:

    Um 6.30 Uhr läutet die Glocke 3 (Betglocke) zum Wecken und

    zum Morgengebet des einzelnen.

    Um 11.00 Uhr läutet Glocke 3 und ruft die Arbeiter auf dem

    Feld zum Mittagessen nach Hause und zum Mittagsgebet

    in der Familie.

    Um 18.00 Uhr läutet Glocke 3 den Feierabend ein und ruft den

    einzelnen zum Abendgebet.

 

2. Das Sonntagsläuten:

    Der Sonntag wird am Samstagabend um 18.00 Uhr mit allen

    vier Glocken (10 Minuten) eingeläutet.

    Am Sonntag läuten

         um 8 Uhr die Glocken 3 und 4 (6 Minuten),

         um 9 Uhr die Glocken 2,3 und 4 (6 Minuten),

         um 9.49 Uhr alle vier Glocken (10 Minuten)

    und rufen die Gemeindeglieder zum Gottesdienst.

    Auch zum Schluß des Gottesdienstes läuten alle Glocken

    (6 Minuten).

    Am Sonntagabend um 18.00 Uhr wird der Sonntag

    ausgeläutet.

 

3. Das Läuten während des Gottesdienstes:

    Zum "Unser Vater" läutet die Betglocke (Glocke 3) für drei

    Minuten und lädt die Kranken in den Häusern ein,

    in das Gebet der Gemeinde einzustimmen.

    Bei einer Taufe läutet die Taufglocke (Glocke 4) für drei   

    Minuten.

    Während der Konfirmation läutet die Betglocke (Glocke 3),

    solange die Konfirmation andauert.

 

4. Das Läuten am Karfreitag:

    Zum Gedenken an den Opfertod Jesu am Kreuz wird

    um 8.00 Uhr, 9.00 Uhr und 9.49 Uhr

    (unmittelbar vor dem Gottesdienst) nur die tiefste Glocke

    (wie bei der Ansage eines Sterbefalls

    oder zu Beginn eines Trauergottesdienstes) geläutet.

    Zur Todesstunde Jesu, um 15.00 Uhr, läutet die Totenglocke.

 

5. Das Läuten zur Kirchlichen Trauung:

    Die Glocken 1 und 3 läuten sechs Minuten.

 

6. Das Läuten bei einem Trauerfall:

    Zunächst wird um 10.30 Uhr der Todesfall der Gemeinde

    durch „Klempen“ kundgetan:

    die tiefste Glocke wird neunmal angeschlagen;

    anschließend wird mit den beiden tiefsten Glocken,

    den Glocken 1 und 2, fünf Minuten lang „abgeläutet“.

    Mit diesem Läuten werden die Gemeindeglieder aufgerufen,

    für die trauernden Angehörigen zu beten.

    Zu Beginn des Trauergottesdienstes wird ebenfalls „geklempt“,

    d.h. die tiefste Glocke, Glocke 1, wird neunmal angeschlagen.

    Beim Gang aus der Kirche zum Grabe erklingen die beiden

    tiefsten Glocken, Glocken 1 und 2, für drei Minuten.

 

    Welchen Sinn hat das „Klempen“?

    Das neunfache Anschlagen der tiefsten Glocke erinnert daran,

    daß Jesus Christus mit drei mal drei Hammerschlägen

    ans Kreuz genagelt wurde,

    wobei Hände und Füße durchbohrt wurden.

    Durch seinen Opfertod am Kreuz

    hat er unsere Schuld getragen

    und uns dadurch von Verdammnis und ewigem Tod befreit,

    sodaß wir im Glauben Vergebung und ewiges Leben haben.

 

7. Das Läuten zum Jahreswechsel:

    Zu Beginn des neuen Jahres werden alle vier Glocken

    für sechs Minuten geläutet.

    Dieses Läuten ist keinesfalls ein kirchlicher Beitrag zum

    allgemeinen Lärm, mit dem man früher die bösen Geister

    an der Schwelle vom alten zum neuen Jahr vertreiben wollte.

    Vielmehr läuten alle vier Glocken wie zu Beginn eines

    Gottesdienstes, weil auch das neue Jahr

    ein „Jahr des Herrn“ („Annus Domini“) ist,

    in dem wir auf unseren Herrn, Jesus Christus, hören

    und ihm folgen wollen.

 

Kirchenglocken läuten grundsätzlich nicht zur Ehre eines Menschen.

Weil die Kirchenglocken gottesdienstlichen Charakter haben,

schweigen sie bei nicht-kirchlichen Anlässen.

Sie sind nicht dazu da, weltliche Ereignisse feierlich zu machen.

 

Als der Turm der Rengsdorfer Kirche zu Zeiten des Kaiserreichs

noch der Kommunalgemeinde gehörte, ließ der damalige Bürgermeister

an Kaisers Geburtstag die Glocken eine Stunde lang läuten.

Damit war Schluß, als die Kirchengemeinde den Turm kaufte.

 

Allerdings wurden die Kirchengemeinden auch in der Zeit

der Hitlerdiktatur wieder gezwungen,

zu nichtkirchlichen Anlässen die Glocken zu läuten.

 

Heute dürfen die Glocken nur noch zum Gottesdienst

und zum Gebet rufen;

bei Katastrophen allerdings dürfen sie ausnahmsweise als Alarmsignal eingesetzt werden.

 

FS

  

 

 

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